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Vom 7. bis 9. August 2026 fand erstmals das Berlin-Pleinair an der Spree statt. Der Kunstverein Treptow hatte Künstlerinnen und Künstler, Urban Sketcher und Zeichenbegeisterte nach Schöneweide eingeladen, um gemeinsam draußen zu malen und zu zeichnen.

20260808 Gruppenbild

Die Idee dahinter war ganz einfach: Unseren Kiez mit den Augen von Künstlerinnen und Künstlern entdecken und zeigen, wie schön und vielseitig Schöneweide ist. Gleichzeitig wollten wir den Kunstverein Treptow und das Kulturzentrum Schöneweide Ratz-Fatz als Orte für Kunst, Begegnung und kulturellen Austausch bekannter machen.

Freitag – erstes Kennenlernen und Schöneweide entdecken

Um 9:45 Uhr trafen die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Ratz-Fatz ein. Der Raum war vorbereitet, Namensschilder lagen bereit – und schon bald wurde aus einer Gruppe zunächst noch unbekannter Menschen eine Runde von Künstlerinnen, Künstlern und Zeichenbegeisterten.

Viele gehören zur Urban-Sketching-Szene und waren aus unterschiedlichen Berliner Stadtbezirken angereist. Für einige war die Anreise durchaus beschwerlich. Manche hatten bereits an internationalen Veranstaltungen teilgenommen, beispielsweise 2025 in Poznań in Polen oder 2026 in ... ?.

Schöneweide kannten viele bisher nicht als Ort zum Sketchen. Genau das machte den Reiz aus: Was gibt es hier zu entdecken? Welche Motive warten darauf, aufs Papier gebracht zu werden?

Nach der Begrüßung und dem gegenseitigen Kennenlernen ging es los.

Das erste Ziel war der Kaisersteg. Der Weg dorthin wurde bereits zum ersten gemeinsamen Spaziergang durch den Kiez. Am Wasser angekommen, bot sich eine Fülle von Motiven: das Kran Café, das Windrad, der Kaisersteg, Schiffe auf der Spree und Menschen bei der Arbeit.

Der Wind war kräftig und es war überraschend kalt. Doch das hielt niemanden davon ab, die Zeichenblöcke und Stifte herauszuholen.

Interessant war zu beobachten, wie unterschiedlich die Motive umgesetzt wurden. Aquarell, Fineliner, Bleistift und andere Techniken kamen zum Einsatz. Dasselbe Motiv konnte plötzlich ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, wer davor saß und mit welchem Blick es betrachtet wurde.

Auch Erfahrungen wurden weitergegeben. Reinhold nutzte die Gelegenheit, seine langjährige Erfahrung mit den anderen zu teilen und Tipps zu geben.

Ein wichtiger Bestandteil des Pleinairs war von Anfang an das Miteinander. Es ging nicht nur darum, möglichst viele Bilder zu schaffen. Gespräche, gegenseitige Anregungen und das Kennenlernen gehörten genauso dazu.

Zwischendurch traf sich die Gruppe im FlutCafé. Bei Kaffee und anderen Getränken wurde weitergeredet, über die entstandenen Zeichnungen gesprochen und natürlich auch über Kunst.

Um 16 Uhr ging es zurück ins Ratz-Fatz. Dort wurden die ersten Arbeiten gezeigt. Beim gemeinsamen „Followdown“ – dem gegenseitigen Betrachten und Besprechen der Bilder – gab es bereits einiges zu bestaunen.

Und es gab noch eine schöne Überraschung: Erste Malvorlagen für Kinder waren bereits ausgemalt worden. Luzie, die Tochter von Eva und Robert, sowie zwei Jugendliche aus Schöneweide hatten sich spontan beteiligt.

Genau solche Begegnungen hatten wir uns gewünscht.

Mit Kamera und Fotoapparat dabei

Das Geschehen wurde während der drei Tage auch dokumentiert.

Hugo war alle drei Tage mit seiner Kamera dabei und hielt das Pleinair filmisch fest. Peter fotografierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Zeichnen und Malen und sammelte viele Eindrücke.

So entstand neben den Bildern auf Papier auch eine eigene fotografische und filmische Dokumentation des ersten Berlin-Pleinairs.

Sonnabend – Schöneweide wird zum Atelier

Am Sonnabend kamen weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinzu. Neue Gesichter wurden herzlich aufgenommen, und die Zeichnungen vom Freitag wurden interessiert betrachtet.

Werner, Vorsitzender des Kunstvereins Treptow, nutzte die Gelegenheit, etwas über die Geschichte des Vereins und seine Pleinair-Tradition zu erzählen.

Pleinairs haben im Kunstverein Treptow eine lange Geschichte. Gemeinsam mit polnischen, italienischen und französischen Künstlerinnen und Künstlern wurde bereits an vielen Orten gemalt – unter anderem im Oderbruch, im Barnim, in Słońsk, Angerville und Méréville sowie in Albinea.

Viele der dabei entstandenen Arbeiten wurden später in Ausstellungen gezeigt. Andere fanden ihren Weg in den inzwischen seit 22 Jahren erscheinenden Kunstkalender des Kunstvereins.

Während des Gesprächs entstand auch der Wunsch, künftig wieder häufiger gemeinsam draußen zu malen. Vielleicht ist das Pleinair damit sogar eine Anregung für den Seniorenmalkurs, den Zeichenblock auch einmal aus dem Kursraum hinaus in die Natur und in den Kiez mitzunehmen.

Die Gruppe war inzwischen auf rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angewachsen.

Wieder ging es zum Kaisersteg.

An der alten Kita fanden sich einige in Liegestühlen zusammen und hielten die Einstimmung auf das Jazzkonzert zeichnerisch fest. Andere saßen an der Spree und beschäftigten sich weiterhin mit der Industriearchitektur von Schöneweide.

Es war ein schönes Bild: Künstlerinnen und Künstler sitzen am Wasser, zeichnen, malen und beobachten den Ort.

Schöneweide wurde für einige Stunden zum gemeinsamen Atelier.

Ein Motiv – viele Sichtweisen

Am Nachmittag ging es wieder zurück ins Ratz-Fatz. Beim gemeinsamen Betrachten der Arbeiten zeigte sich besonders deutlich, was den Reiz des Urban Sketching und eines Pleinairs ausmacht:

Ein Motiv ist nie nur ein Motiv.

Jede und jeder sieht etwas anderes. Manche arbeiten sehr genau, andere reduzieren, abstrahieren oder setzen ganz eigene Schwerpunkte. So entstanden aus ähnlichen Motiven völlig unterschiedliche Bilder.

Edelgart brachte mit ihrem „Libretto von Schöneweide“ eine weitere schöne Anregung in die Runde.

Auch eine Tradition der Urban Sketcher wurde aufgegriffen: Werner hatte den Stempel des Kunstvereins Treptow mitgebracht.

Die entstandenen Zeichnungen konnten damit gestempelt werden.

Bei den Urban Sketchern ist das Stempeln eine liebgewonnene Tradition. Der Stempel dokumentiert: Ich war hier. Ich habe diesen Ort gesehen und gezeichnet.

Ein bisschen erinnert das an einen Wanderstempel – nur dass statt einer Wanderung ein persönlicher Blick auf einen Ort festgehalten wird.

Sonntag – von der Schlossinsel zur Werkschau

Am Sonntag war unser Treffpunkt die Schlossinsel in Köpenick.

Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer fuhren direkt dorthin und suchten sich ihre Motive. Die Schlossanlagen, die Skulpturen im Schlossgarten, die alte Bogenbrücke zwischen Spindlersfeld und Alt-Köpenick, der Fischerkietz und die historischen Straßen von Alt-Köpenick boten eine große Vielfalt an Motiven.

Besonders die alte Bogenbrücke ist ein interessantes Zeitdokument. Sie wird in den kommenden Jahren ihr Aussehen verändern, denn die bestehende Brücke soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Für die Urban Sketcher wurde sie damit zu einem Motiv, das einen ganz besonderen Moment festhält.

Wieder entstanden ganz unterschiedliche Zeichnungen und Bilder.

Gegen 15 Uhr trafen die Künstlerinnen und Künstler im Ratz-Fatz wieder ein. Auf den Tischen lagen die während der drei Tage entstandenen Werke – jeweils mit dem Namensschild der Künstlerin oder des Künstlers.

Nun wurde aus dem gemeinsamen Pleinair eine kleine temporäre Werkschau.

Begegnung bei Kaffee und Kuchen

Zur Präsentation kamen viele Gäste: Freunde, Bekannte und Familienangehörige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber auch Menschen, die neugierig geworden waren.

Bei Kaffee und Kuchen wurde geschaut, gefragt und erzählt.

Man kam mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch, interessierte sich für ihre Motive und Techniken und staunte darüber, wie unterschiedlich ein und derselbe Ort dargestellt werden kann.

Im Raum war eine besondere Lebendigkeit zu spüren.

Die Bilder zeigten Schöneweide von seiner schönen Seite. Sie zeigten Industriearchitektur, die Spree, Brücken, Schiffe und Menschen – aber auch die vielen kleinen Dinge, die man im Alltag leicht übersieht.

Und sie zeigten Köpenick als einen der reizvollen und lebendigen Orte Berlins.

Drei Tage lang hatten die Künstlerinnen und Künstler ihre ganz persönlichen Blicke auf Berlin zu Papier gebracht.

Warum zeichnen wir?

Zum Abschluss bedankte ich mich bei allen Künstlerinnen und Künstlern für ihre Teilnahme und versuchte, die drei Tage noch einmal zusammenzufassen.

Dabei griff ich auf Gedanken aus dem Buch „Zeiten des Zeichnens“ von Yadegar Asisi zurück.

Warum zeichnen wir eigentlich?

Vielleicht auch deshalb, weil Zeichnen eine Zeit ist, die uns gehört. Eine Zeit, in der wir uns konzentrieren und ganz bei uns sein können. Zeichnen kann Meditation sein.

Ein Satz von Paul Klee bringt es wunderbar auf den Punkt:

„Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen.“

Gerade in krisenhaften und unsicheren Zeiten kann das Zeichnen und Malen eine besondere Bedeutung bekommen. Wenn wir ein Motiv auf Papier bringen, konzentrieren wir uns auf den Augenblick. Wir sind abgelenkt von dem, was uns sonst beschäftigt, und gleichzeitig ganz bei uns.

Auch die von Yadegar Asisi beschriebenen „Top 7 Zeichen-Hacks“ boten Anlass zum Nachdenken.

Besonders wichtig erscheint mir dabei ein Gedanke:

Keine Angst vor dem weißen Blatt!

Denn Zeichnen muss nicht perfekt sein. Es geht darum, anzufangen, zu beobachten und seinen eigenen Weg zu finden.

Kinder sind unsere Zukunft

Ein weiterer Gedanke war mir beim Abschluss besonders wichtig:

„Natürlich sind die Kinder der Schlüssel. Sie sind die Zukunft.“

Wenn wir möchten, dass Kinder und Jugendliche einen Zugang zu Kunst und Kreativität finden, müssen wir ihnen Möglichkeiten geben, selbst auszuprobieren.

Deshalb gehört zum Berlin-Pleinair auch eine ganz praktische Idee:

Wir packen einen Kunstkoffer für Kinder.

Darin befinden sich Papier, Malvorlagen, Stifte, Wasserfarben und weiteres Material. Der Kunstkoffer soll künftig von der Kindermalgruppe im Ratz-Fatz genutzt werden können, aber ebenso bei kreativen Kinderveranstaltungen des Kulturzentrums zum Einsatz kommen.

Die ersten Erfahrungen während des Pleinairs haben gezeigt, wie unkompliziert der Einstieg sein kann. Ein Blatt Papier, ein paar Stifte – und schon kann es losgehen.

Was bleibt von drei Tagen Berlin-Pleinair?

Nach drei Tagen bleibt natürlich eine ganze Reihe von Bildern.

Aber es bleibt noch viel mehr.

Es hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, den Aufwand für eine solche Veranstaltung auf sich zu nehmen.

Es lohnt sich, Menschen zusammenzuführen und über Kunst ins Gespräch zu bringen.

Es lohnt sich, zu zeigen, wie kreativ jeder Mensch sein kann.

Es lohnt sich, neue Orte zu entdecken. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Schöneweide an diesen drei Tagen von einer Seite kennengelernt, die ihnen bisher unbekannt war.

Und die Begeisterung ging sogar über das Wochenende hinaus: Rund um das Urban Sketching wurde spontan bereits eine weitere Veranstaltung für den 11. August in Oberschöneweide organisiert.

Es lohnt sich, Interesse am Zeichnen zu wecken und neue Techniken auszuprobieren.

Und vielleicht lohnt es sich auch, Menschen neugierig auf den Kunstverein Treptow zu machen und damit neue Mitglieder für unsere Gemeinschaft zu gewinnen.

Ein herzliches Dankeschön

Ein solches Pleinair kann nur funktionieren, wenn viele Menschen ihren Teil dazu beitragen.

Unser besonderer Dank gilt dem Kulturzentrum Schöneweide Ratz-Fatz, das uns für die drei Tage seine Räume zur Verfügung gestellt hat.

Danke auch an die Kiezkasse, die die Veranstaltung finanziell unterstützt und damit unter anderem Material und Dokumentation mit ermöglicht hat.

Ein großes Dankeschön geht an den Kunstverein Treptow, der das Berlin-Pleinair organisiert und auf den Weg gebracht hat.

Danke an Hugo für die filmische Dokumentation und an Peter für die fotografische Begleitung.

Unser Dank gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie haben nicht nur ihre Bilder mitgebracht, sondern auch viele Ideen und Anregungen dafür, wie eine solche Veranstaltung weiterentwickelt werden kann.

Ein besonderer Dank geht an Reinhold für die großzügige Spende von Stiften, Papier, Rahmen und weiterem Material.

Auch Nette Neue Welt hat uns unterstützt und Material zur Verfügung gestellt.

Und natürlich durfte bei einem solchen gemeinsamen Wochenende auch etwas ganz Wichtiges nicht fehlen: Kuchen. Danke an Peter und Elena vom Kunstverein für die Kuchenspende.

Teilgenommen haben

Am Berlin-Pleinair 2026 beteiligten sich Künstlerinnen und Künstler sowie Zeichenbegeisterte aus verschiedenen Berliner Stadtbezirken und aus der Urban-Sketching-Szene. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren bereits bei nationalen und internationalen Urban-Sketching-Veranstaltungen dabei.

Darüber hinaus beteiligten sich spontan auch Kinder und Jugendliche aus Schöneweide am Zeichnen und Ausmalen.

Drei Tage, viele Bilder – und hoffentlich nicht das letzte Berlin-Pleinair

Das erste Berlin-Pleinair an der Spree war ein Versuch.

Ein Versuch, Künstlerinnen und Künstler zusammenzubringen, Schöneweide aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken, den Kunstverein Treptow und das Ratz-Fatz miteinander zu verbinden und Menschen aus dem Kiez für das Zeichnen und Malen zu begeistern.

Nach diesen drei Tagen können wir sagen:

Der Versuch ist gelungen.

Es wurde gezeichnet, gemalt, fotografiert, gefilmt, erzählt, gelacht und diskutiert. Neue Kontakte sind entstanden und aus manchen Begegnungen werden hoffentlich weitere gemeinsame Projekte.

Vor allem aber sind viele unterschiedliche Bilder von Schöneweide und Köpenick entstanden.

Bilder eines Kiezes zwischen Spree, Industriearchitektur, Brücken, Schiffen, Menschen und ganz alltäglichen Situationen.

Vielleicht ist genau das die schönste Bilanz unseres ersten Berlin-Pleinairs:

Wir haben Schöneweide nicht nur besucht.
Wir haben Schöneweide gemeinsam gesehen.

Und vielleicht ist das erst der Anfang.

Egon Höcker, 10.08.206