„Zeichnen lernen heißt sehen lernen“

– 35 Jahre Kindermalkurs im Ratz-Fatz

20260613 Plakat 35J Kindermalkurs ChatGPT ImageZwei große Plakate am Eingang des Kulturzentrums Ratz-Fatz machten bereits von Weitem auf ein besonderes Jubiläum aufmerksam: die Ausstellung „35 Jahre Kindermalkurs im Ratz-Fatz“.

Am Samstag, dem 13. Juni 2026, kamen zahlreiche Besucherinnen und Besucher zur Ausstellungseröffnung nach Schöneweide. Unter ihnen befanden sich viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kindermalkurses, Eltern, Freunde des Hauses sowie Mitglieder des Kunstvereins Treptow. Sie alle waren gekommen, um die beeindruckende Ausstellung zu erleben und die langjährige Arbeit von Werner Laube zu würdigen.

Auf zwei Etagen werden nahezu einhundert Kinderzeichnungen präsentiert. Die Werke von rund 40 Kindern und Jugendlichen, die in den vergangenen 35 Jahren am Kindermalkurs teilgenommen haben, zeigen eindrucksvoll den unverstellten Blick junger Menschen auf ihre Welt. Fantasievolle Landschaften, Tiere, Porträts und Naturstudien laden dazu ein, die Welt durch die Augen von Kindern neu zu entdecken.

Die Eröffnung stand unter dem Motto des bekannten Picasso-Zitats:

„Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist nur, wie man ein Künstler bleibt, wenn man größer wird.“

In seiner Begrüßung hob Egon Höcker die Bedeutung von Kontinuität in der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit hervor. Der Kindermalkurs sei über Jahrzehnte hinweg ein Ort gewesen, an dem Kreativität, Fantasie und persönliche Entwicklung gefördert wurden. Sein besonderer Dank galt Werner Laube für dessen unermüdliches Engagement sowie dem Kulturzentrum Ratz-Fatz für die langjährige Unterstützung.

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Für den musikalischen Auftakt sorgte Hannah Giern von der Musikschule. Es folgte die Rede von Werner Laube, der in einem sehr persönlichen Rückblick von den Anfängen des Kindermalkurses, den zahlreichen Ausstellungen, internationalen Kontakten und den vielen Kindern berichtete, die ihn über die Jahre begleitet haben. Besonders die von ihm zitierten Kinderaussagen sorgten bei den Gästen immer wieder für Schmunzeln und herzlichen Beifall.

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Ein weiterer musikalischer Beitrag kam von Lily Franklin, Schülerin der 8. Klasse und selbst ehemalige Teilnehmerin des Zeichenzirkels. Sie erhält ihren Musikunterricht bei Petra Ziegler im Ratz-Fatz und zeigte eindrucksvoll, wie eng die verschiedenen kulturellen Angebote des Hauses miteinander verbunden sind.

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Sehr persönlich wurde es anschließend bei den Worten von Vivien Drewes. Als ehemalige Schülerin bedankte sie sich bei Werner Laube für die vielen Jahre der Begleitung, die Geduld und die künstlerischen Anregungen. Sie erinnerte daran, wie gern sie in den Kindermalkurs gekommen sei und wie viel sie dort gelernt habe – nicht nur über das Zeichnen und Malen, sondern auch über Ausdauer, Beobachtungsgabe und Kreativität.

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Den musikalischen Abschluss gestaltete Nathalie Dederle, Schülerin der 10. Klasse und ebenfalls Musikschülerin von Petra Ziegler.

Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen sowie zu einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung. Viele ehemalige Malschülerinnen und Malschüler trafen sich nach Jahren wieder und tauschten Erinnerungen aus.

Besonders erfreulich war ein Gespräch mit Felix, der in Werner Laubes Rede als Beispiel für einen ehemaligen Schüler erwähnt wurde, der seinen Weg in einen kreativen Beruf gefunden hat. Im Verlauf des Nachmittags signalisierte er sein Interesse, Mitglied im Kunstverein Treptow zu werden.

Auch neue Ideen entstanden an diesem Tag. So regte eine Besucherin an, einen Jahreskalender mit Motiven aus dem Kindermalkurs herauszugeben – ein Vorschlag, der bei vielen Gästen auf Zustimmung stieß.

Zu den bewegenden Momenten der Vernissage gehörte das gemeinsame Gruppenfoto mit Werner Laube sowie seinen ehemaligen und heutigen Schülerinnen und Schülern. Es machte sichtbar, wie viele Menschen der Kindermalkurs über Generationen hinweg begleitet und geprägt hat.

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Ein herzlicher Dank gilt der Familie Laube, Anja und Celina Schröder sowie Frau Sandweg und Tochter für die Vorbereitung des Caterings und die liebevolle Versorgung der Gäste. Vielen Dank an Marion Höcker für die Fotos zur Ausstellungseröffnung.

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Kindermalkurs und Berlin-Pleinair an der Spree

Der Kindermalkurs von Werner Laube findet weiterhin regelmäßig im Kulturzentrum Ratz-Fatz statt. Kinder, die Freude am Zeichnen und Malen haben oder ihre Fähigkeiten weiterentwickeln möchten, sind herzlich willkommen.

Bereits Anfang August lädt der Kunstverein Treptow gemeinsam mit dem Kindermalkurs zum Berlin-Pleinair an der Spree ein. Direkt am Ufer der Spree können Kinder, Jugendliche und Erwachsene die besondere Atmosphäre des Flusses, die Uferlandschaft und das Leben am Wasser zeichnerisch und malerisch festhalten. Das Pleinair bietet die Möglichkeit, Natur und Stadt mit künstlerischen Mitteln neu zu entdecken, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam kreativ zu sein. Anfänger sind dabei ebenso willkommen wie erfahrene Zeichner und Maler.

Wer Lust hat, die Welt mit Stift und Pinsel neu zu entdecken, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Egon Höcker, 14.06.2026 


Vom Blick durch die Zähne bis zum Tropischen Regenwald

Rede von Werner Laube zur Ausstellungseröffnung

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Künstlerfreunde und Mitstreiter vom Kunstverein,
liebe Freunde der Kunst und der Künstler!

20260613 Vernissage 35 Jahre Kindermalkurs 16Es erfüllt mich mit Freude und großer Dankbarkeit, dass Sie so zahlreich zur Vernissage dieser Ausstellung gekommen sind. Ganz besonders freue ich mich über die Anwesenheit mehrerer ehemaliger Malschülerinnen und -schüler, die mir jahrelang die Treue hielten.

Ich bedanke mich für das Angebot, in beiden Etagen des Kulturzentrums Schöneweide Ratz-Fatz die Bilder meiner früheren und heutigen jungen Schüler ausstellen zu können, aber auch für die praktische Hilfe, die ich bei der Vorbereitung ihrer heutigen Präsentation von meinen Mitstreitern im Kunstverein Treptow und den Eltern meiner Malkinder erfuhr – bei der Werbung, beim Bilderaufhängen oder am Buffet.

Mein besonderer Dank gilt Egon Höcker, Vivien Drewes, Anja und Celina Schröder sowie Frau Sandweg.

Herzlichen Dank auch für den schönen musikalischen Auftakt unserer Vernissage an Hannah, Lilly und Nathalie. Hannah ist und Lilly war ebenfalls meine Malschülerin, und ihre Bilder können Sie, liebe Gäste, im oberen Teil der Ausstellung bewundern.

Nicht zum ersten Mal musizieren Schülerinnen und Schüler der Gitarrenschule von Petra Ziegler bei einer Vernissage unseres Kindermalkreises.

Seit der Gründung des Kulturzentrums „Ratz-Fatz“ im Jahr 1991 in der Schnellerstraße 98, dem heutigen griechischen Restaurant „Artemis“, gibt es gute Kontakte zwischen beiden künstlerischen Angeboten sowie Beispiele einer gelungenen Kooperation.

Die Malkinder zeichneten die musizierenden Gitarrenschüler und umrahmten sogar einmal ein Konzert von Petras Gitarrengruppe in der Friedenskirche Niederschöneweide mit ihren originellen, thematisch gestalteten Bildern.

Ein wesentliches Anliegen unserer Arbeit im Kindermalkreis war von Anfang an das künstlerische Naturstudium, getreu Albrecht Dürers Devise:

„Zeichnen lernen heißt sehen lernen.“

Wer malt, sieht die Welt einfach genauer und mit anderen Augen an. Er lernt seine Umgebung ein wenig besser und kritischer kennen – eine Fähigkeit, die ihm auch sonst im Leben nützen kann.

35 Jahre sind – nicht nur aus der Sicht eines Kindes – eine lange Zeit, und auch mir fällt es schwer, mich an einzelne Gesichter und Namen meiner ersten Malschüler zu erinnern. Nur wenige, meist unsignierte Zeichnungen konnte ich von ihnen noch finden.

Die „Blumenvase“ und „Gefäße“ von Philipp Köster und Fabian Schröder schmücken den Treppenaufgang zur oberen Etage.

Schon aus dem zweiten Jahrzehnt unseres Kindermalkreises stammen die Bilder von Juliane Spernau, Nadine Stellert, Marie Borges, Theresia Müller, Jeanette Deters, Ronja Herbeck, Tasia Boredius, Mariella Santibañez, Josephine Laurock, Paul Mattern, Kaliope Müller und Victoria Bau, deren Titel ich hier beim besten Willen nicht alle aufzählen kann.

Für das dritte Jahrzehnt unserer künstlerischen Arbeit finden Sie, liebe Gäste, Werke von Anja Donecke, Vivien Drewes, Richard Reuter, Emily Schmidt, Janine Hillebrandt, Emma Bauschke, Felix Vogel, Florian und Kristian Böhme in unserer Ausstellung.

Ende des dritten Jahrzehnts unseres Malkreises beziehungsweise Anfang der 2020er Jahre fanden wieder neue malbegeisterte Kinder wie Celina Schröder, Frieda Hillebrandt, Neo Eckelt, Samuel Wolfhard und Max Herold zu „Ratz-Fatz“. In diesen Jahren wurde der Kindermalkreis aber auch richtig international.

Mit Lilly, Rukmant, Lena und Lara, Rauia, Oury und Levy, Amilia, Matilda Esme, Luba Katrin, Maxym und Artemi waren das Kinder mit familiären Wurzeln in Nigeria, Indien, Costa Rica, Ägypten, Serbien, England, Südkorea, Russland und der Ukraine.

Die Mutter meiner jüngsten Schülerin Frieda kommt aus Hongkong.

Für sie alle wurde der Kindermalkreis letztlich zu einem wichtigen Bezugspunkt und, wie ich meine, zu einem einzigartigen Beispiel kultureller Vielfalt und gelungener Integration.

Den Mädchen und Jungen von damals, die heute erwachsene Frauen und Männer sind, aber auch meinen späteren und heutigen Schülerinnen und Schülern möchte ich mit dieser Ausstellung noch einmal für ihr Vertrauen, ihren Fleiß, ihre wunderbaren Bildideen und die Freude danken, die sie mir in all den Jahren bereitet haben.

Stellvertretend für sie alle möchte ich hier Miriam Hinze, Victoria Bau, Ronja Herbeck und Mariella Santibañez nennen, die 14 Jahre lang aus freien Stücken zu mir gekommen sind.

Neben schon ausgereiften, fast perfekten Zeichnungen von Miriam Hinze, Celina Schröder und Frieda Hillebrandt haben mich die Mädchen und Jungen immer wieder mit fantasievollen, alterstypischen Bildern und amüsanten Anekdoten überrascht.

Das größte Rätsel gab mir Lena Hillebrandt mit einer Zeichnung auf, deren oberer und unterer Bildrand mit großen gekrümmten Zacken versehen war.

Auf meine Frage, ob das Berge seien und warum sie auf dem Kopf stünden, antwortete das Mädchen:

„Nein, das ist der Blick durch die Zähne.“

Immer wieder haben wir unsere Kinderkunst in kulturellen und sozialen Einrichtungen unseres Bezirks ausgestellt: in Kiezklubs, in der Kulturküche Bohnsdorf, im Schmetterlingshorst, im Seniorenheim Friedrichshagen, hier im Hause oder bei der Kunstmeile in Baumschulenweg.

Zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Albinea und Treptow-Köpenick konnten Miriam Hinze, Jeanette Deters und Mariella Santibañez im Jahr 2006 gemeinsam mit Malern des Kunstvereins Treptow ihre Bilder in der italienischen Partnerstadt präsentieren und zeichneten damals auch selbst vor Ort.

Sieben Jahre lang habe ich die mit viel Fleiß und Ausdauer gemalten Bilder meiner Schüler zur Internationalen Kinderkunstausstellung im tschechischen Lidice eingesandt.

Mehrere Beiträge zu diesem anspruchsvollen Wettbewerb können Sie auch in dieser Ausstellung finden.

Für ihre Bilder erhielten Vivien Drewes 2009 und Paul Mattern 2011 dort eine „Lobende Erwähnung“ – ein Erfolg, der sich nicht jedes Jahr einstellt. Zur Preisverleihung wurde der Kindermalkreis vom tschechischen Botschafter in Berlin persönlich empfangen.

Ich freue mich besonders darüber, dass mehrere meiner früheren Schülerinnen und Schüler der Kunst treu geblieben sind und heute in künstlerischen oder kunstorientierten Berufen tätig sind – ob als Architektin, Steinrestaurator, Lehrerin für Kunst oder Grafikdesigner, wie man meinen früheren Beruf als Gebrauchsgraphiker heute nennt.

Als Beispiel möchte ich Felix nennen, der einst die Sonderschule besuchte, später die Best-Sabel-Schule absolvierte und heute als Grafikdesigner arbeitet.

Auch wenn alle anderen Kinder einmal wegblieben, saß er allein mit mir am Tisch und malte geduldig seine Bilder.

Meinen Hinweis, dass man als Künstler neben Talent auch viel Geduld aufbringen müsse, kommentierte die achtjährige Emma mit den Worten:

„Ich habe die Geduld, einen Baum in 45 Stunden zu malen.“

Heute bewundere ich Hannah, die seit Wochen an einer Bleistiftzeichnung arbeitet.

Dass meine Malkinder auch im Stadtbild von Treptow dauerhafte Spuren hinterlassen haben, muss hier noch erwähnt werden.

An einem Dienstgebäude des Bezirksamtes in der Hans-Schmidt-Straße in Adlershof halfen Celina, Frieda, Samuel, Lilly, Oury und Levy dem peruanischen Künstler Alexander Shimpukat bei der Ausführung eines großflächigen Wandbildes zum Thema „Tropischer Regenwald“. Mit einem farbenprächtigen Kolibri und einem metergroßen Lama haben sich Celina und Frieda dort im Jahr 2022 verewigt.

Für den Kunstverein Treptow ist der Kindermalkreis von Werner Laube längst zu einem wesentlichen Anliegen und wichtigen Bestandteil seiner Arbeit geworden.

Vier ehemalige beziehungsweise heutige Malkinder – Vivien Drewes, Paul Mattern, Celina Schröder und Frieda Hillebrandt – sind heute Mitglieder unseres Vereins. Die jungen Künstler nahmen bereits gemeinsam mit anderen Treptower Malern an einem deutsch-polnischen Pleinair im Warthebruch und am Kunstsalon im französischen Angerville teil.

Auch in unserem diesjährigen Kunstkalender sind Vivien, Celina und Frieda mit eigenen Werken vertreten.

Mit finanzieller Unterstützung der Kiezkasse des Bezirks und zur Förderung junger künstlerischer Talente in Treptow-Köpenick hat der Kunstverein bereits drei Pleinairs mit Kindern im Tierpark Berlin organisiert. Eine Broschüre mit den schönsten Tierzeichnungen dieser Pleinairs finden Sie neben unserem Kunstkalender im oberen Teil der Ausstellung.

Anfang August haben wir ein solches Pleinair hier am Ufer der Spree geplant und laden alle großen und kleinen Maler dazu herzlich ein.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen beim Betrachten der Ausstellung viel Vergnügen.

Vielen Dank!


Kinderblick durchs Passepartout

Die hier gezeigte Online-Auswahl vermittelt nur einen kleinen Eindruck von den vielen Arbeiten, die im Kindermalkurs des Ratz-Fatz entstanden sind. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und zeigt die Welt aus der Sicht eines Kindes – neugierig, fantasievoll, bunt und oft überraschend.

Diese Zusammenstellung kann die Originale nicht ersetzen. Farben, Details und die besondere Ausstrahlung der Werke entfalten sich erst beim direkten Betrachten. Lassen Sie sich von dieser kleinen Auswahl inspirieren und entdecken Sie die Vielfalt der Kinderkunst in der Ausstellung vor Ort.

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