Vom Blick durch die Zähne bis zum Tropischen Regenwald

Rede von Werner Laube zur Ausstellungseröffnung

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Künstlerfreunde und Mitstreiter vom Kunstverein,
liebe Freunde der Kunst und der Künstler!

20260613 Vernissage 35 Jahre Kindermalkurs 16Es erfüllt mich mit Freude und großer Dankbarkeit, dass Sie so zahlreich zur Vernissage dieser Ausstellung gekommen sind. Ganz besonders freue ich mich über die Anwesenheit mehrerer ehemaliger Malschülerinnen und -schüler, die mir jahrelang die Treue hielten.

Ich bedanke mich für das Angebot, in beiden Etagen des Kulturzentrums Schöneweide Ratz-Fatz die Bilder meiner früheren und heutigen jungen Schüler ausstellen zu können, aber auch für die praktische Hilfe, die ich bei der Vorbereitung ihrer heutigen Präsentation von meinen Mitstreitern im Kunstverein Treptow und den Eltern meiner Malkinder erfuhr – bei der Werbung, beim Bilderaufhängen oder am Buffet.

Mein besonderer Dank gilt Egon Höcker, Vivien Drewes, Anja und Celina Schröder sowie Frau Sandweg.

Herzlichen Dank auch für den schönen musikalischen Auftakt unserer Vernissage an Hannah, Lilly und Nathalie. Hannah ist und Lilly war ebenfalls meine Malschülerin, und ihre Bilder können Sie, liebe Gäste, im oberen Teil der Ausstellung bewundern.

Nicht zum ersten Mal musizieren Schülerinnen und Schüler der Gitarrenschule von Petra Ziegler bei einer Vernissage unseres Kindermalkreises.

Seit der Gründung des Kulturzentrums „Ratz-Fatz“ im Jahr 1991 in der Schnellerstraße 98, dem heutigen griechischen Restaurant „Artemis“, gibt es gute Kontakte zwischen beiden künstlerischen Angeboten sowie Beispiele einer gelungenen Kooperation.

Die Malkinder zeichneten die musizierenden Gitarrenschüler und umrahmten sogar einmal ein Konzert von Petras Gitarrengruppe in der Friedenskirche Niederschöneweide mit ihren originellen, thematisch gestalteten Bildern.

Ein wesentliches Anliegen unserer Arbeit im Kindermalkreis war von Anfang an das künstlerische Naturstudium, getreu Albrecht Dürers Devise:

„Zeichnen lernen heißt sehen lernen.“

Wer malt, sieht die Welt einfach genauer und mit anderen Augen an. Er lernt seine Umgebung ein wenig besser und kritischer kennen – eine Fähigkeit, die ihm auch sonst im Leben nützen kann.

35 Jahre sind – nicht nur aus der Sicht eines Kindes – eine lange Zeit, und auch mir fällt es schwer, mich an einzelne Gesichter und Namen meiner ersten Malschüler zu erinnern. Nur wenige, meist unsignierte Zeichnungen konnte ich von ihnen noch finden.

Die „Blumenvase“ und „Gefäße“ von Philipp Köster und Fabian Schröder schmücken den Treppenaufgang zur oberen Etage.

Schon aus dem zweiten Jahrzehnt unseres Kindermalkreises stammen die Bilder von Juliane Spernau, Nadine Stellert, Marie Borges, Theresia Müller, Jeanette Deters, Ronja Herbeck, Tasia Boredius, Mariella Santibañez, Josephine Laurock, Paul Mattern, Kaliope Müller und Victoria Bau, deren Titel ich hier beim besten Willen nicht alle aufzählen kann.

Für das dritte Jahrzehnt unserer künstlerischen Arbeit finden Sie, liebe Gäste, Werke von Anja Donecke, Vivien Drewes, Richard Reuter, Emily Schmidt, Janine Hillebrandt, Emma Bauschke, Felix Vogel, Florian und Kristian Böhme in unserer Ausstellung.

Ende des dritten Jahrzehnts unseres Malkreises beziehungsweise Anfang der 2020er Jahre fanden wieder neue malbegeisterte Kinder wie Celina Schröder, Frieda Hillebrandt, Neo Eckelt, Samuel Wolfhard und Max Herold zu „Ratz-Fatz“. In diesen Jahren wurde der Kindermalkreis aber auch richtig international.

Mit Lilly, Rukmant, Lena und Lara, Rauia, Oury und Levy, Amilia, Matilda Esme, Luba Katrin, Maxym und Artemi waren das Kinder mit familiären Wurzeln in Nigeria, Indien, Costa Rica, Ägypten, Serbien, England, Südkorea, Russland und der Ukraine.

Die Mutter meiner jüngsten Schülerin Frieda kommt aus Hongkong.

Für sie alle wurde der Kindermalkreis letztlich zu einem wichtigen Bezugspunkt und, wie ich meine, zu einem einzigartigen Beispiel kultureller Vielfalt und gelungener Integration.

Den Mädchen und Jungen von damals, die heute erwachsene Frauen und Männer sind, aber auch meinen späteren und heutigen Schülerinnen und Schülern möchte ich mit dieser Ausstellung noch einmal für ihr Vertrauen, ihren Fleiß, ihre wunderbaren Bildideen und die Freude danken, die sie mir in all den Jahren bereitet haben.

Stellvertretend für sie alle möchte ich hier Miriam Hinze, Victoria Bau, Ronja Herbeck und Mariella Santibañez nennen, die 14 Jahre lang aus freien Stücken zu mir gekommen sind.

Neben schon ausgereiften, fast perfekten Zeichnungen von Miriam Hinze, Celina Schröder und Frieda Hillebrandt haben mich die Mädchen und Jungen immer wieder mit fantasievollen, alterstypischen Bildern und amüsanten Anekdoten überrascht.

Das größte Rätsel gab mir Lena Hillebrandt mit einer Zeichnung auf, deren oberer und unterer Bildrand mit großen gekrümmten Zacken versehen war.

Auf meine Frage, ob das Berge seien und warum sie auf dem Kopf stünden, antwortete das Mädchen:

„Nein, das ist der Blick durch die Zähne.“

Immer wieder haben wir unsere Kinderkunst in kulturellen und sozialen Einrichtungen unseres Bezirks ausgestellt: in Kiezklubs, in der Kulturküche Bohnsdorf, im Schmetterlingshorst, im Seniorenheim Friedrichshagen, hier im Hause oder bei der Kunstmeile in Baumschulenweg.

Zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Albinea und Treptow-Köpenick konnten Miriam Hinze, Jeanette Deters und Mariella Santibañez im Jahr 2006 gemeinsam mit Malern des Kunstvereins Treptow ihre Bilder in der italienischen Partnerstadt präsentieren und zeichneten damals auch selbst vor Ort.

Sieben Jahre lang habe ich die mit viel Fleiß und Ausdauer gemalten Bilder meiner Schüler zur Internationalen Kinderkunstausstellung im tschechischen Lidice eingesandt.

Mehrere Beiträge zu diesem anspruchsvollen Wettbewerb können Sie auch in dieser Ausstellung finden.

Für ihre Bilder erhielten Vivien Drewes 2009 und Paul Mattern 2011 dort eine „Lobende Erwähnung“ – ein Erfolg, der sich nicht jedes Jahr einstellt. Zur Preisverleihung wurde der Kindermalkreis vom tschechischen Botschafter in Berlin persönlich empfangen.

Ich freue mich besonders darüber, dass mehrere meiner früheren Schülerinnen und Schüler der Kunst treu geblieben sind und heute in künstlerischen oder kunstorientierten Berufen tätig sind – ob als Architektin, Steinrestaurator, Lehrerin für Kunst oder Grafikdesigner, wie man meinen früheren Beruf als Gebrauchsgraphiker heute nennt.

Als Beispiel möchte ich Felix nennen, der einst die Sonderschule besuchte, später die Best-Sabel-Schule absolvierte und heute als Grafikdesigner arbeitet.

Auch wenn alle anderen Kinder einmal wegblieben, saß er allein mit mir am Tisch und malte geduldig seine Bilder.

Meinen Hinweis, dass man als Künstler neben Talent auch viel Geduld aufbringen müsse, kommentierte die achtjährige Emma mit den Worten:

„Ich habe die Geduld, einen Baum in 45 Stunden zu malen.“

Heute bewundere ich Hannah, die seit Wochen an einer Bleistiftzeichnung arbeitet.

Dass meine Malkinder auch im Stadtbild von Treptow dauerhafte Spuren hinterlassen haben, muss hier noch erwähnt werden.

An einem Dienstgebäude des Bezirksamtes in der Hans-Schmidt-Straße in Adlershof halfen Celina, Frieda, Samuel, Lilly, Oury und Levy dem peruanischen Künstler Alexander Shimpukat bei der Ausführung eines großflächigen Wandbildes zum Thema „Tropischer Regenwald“. Mit einem farbenprächtigen Kolibri und einem metergroßen Lama haben sich Celina und Frieda dort im Jahr 2022 verewigt.

Für den Kunstverein Treptow ist der Kindermalkreis von Werner Laube längst zu einem wesentlichen Anliegen und wichtigen Bestandteil seiner Arbeit geworden.

Vier ehemalige beziehungsweise heutige Malkinder – Vivien Drewes, Paul Mattern, Celina Schröder und Frieda Hillebrandt – sind heute Mitglieder unseres Vereins. Die jungen Künstler nahmen bereits gemeinsam mit anderen Treptower Malern an einem deutsch-polnischen Pleinair im Warthebruch und am Kunstsalon im französischen Angerville teil.

Auch in unserem diesjährigen Kunstkalender sind Vivien, Celina und Frieda mit eigenen Werken vertreten.

Mit finanzieller Unterstützung der Kiezkasse des Bezirks und zur Förderung junger künstlerischer Talente in Treptow-Köpenick hat der Kunstverein bereits drei Pleinairs mit Kindern im Tierpark Berlin organisiert. Eine Broschüre mit den schönsten Tierzeichnungen dieser Pleinairs finden Sie neben unserem Kunstkalender im oberen Teil der Ausstellung.

Anfang August haben wir ein solches Pleinair hier am Ufer der Spree geplant und laden alle großen und kleinen Maler dazu herzlich ein.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen beim Betrachten der Ausstellung viel Vergnügen.

Vielen Dank!

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